Warum das leere Blatt nicht dein Feind ist, sondern dein mächtigster Verbündeter!

Ein Essay über die Freiheit der Leere, den Urknall auf dem Papier und das Schreiben, das nach den Sternen greift

In den letzten Wochen habe ich ausgemistet, aufgeräumt, bereinigt, leer gemacht. Ich habe alle Unterlagen und Ordner aus sechs Jahren Betreuung meiner Eltern weggeräumt. Ganze Regale meiner Büroetage wurden „plötzlich“ leergeschaufelt. Ich habe mein Gewerbe abgemeldet, die SONNENTOCHTERedition ist notariell ganz korrekt aus dem deutschen Handelsregister ausgetragen. Mit jedem gekündigten Abo, jedem aufgelösten Vertrag, jedem entsorgten Papier wurde dieses Nichts größer, umfassender, erstaunlicher.

Und genau da, vor dem jungfräulichen Schimmer der weißen, leeren Regale, ist mir eine Frage gekommen, die auch DEINE Frage sein könnte, wenn du vor dem weißen Blatt sitzt: Wie kann ich über das Nichts sprechen, ohne es sofort zu einem „Etwas“ zu machen, sobald ich ihm einen Namen gebe? Wie bewahre ich diesen Schimmer, statt ihn panisch zuzustellen?

Das ist das Thema dieses Textes, und einer ganzen Reihe von Essays, die ich in meinem MUSELETTER veröffentlicht habe. Die Reihe untersucht: „Das Nichts und das Schreiben“. Je tiefer ich in diesen leeren Raum vordringe, desto klarer enthüllt sich sein größtes Geheimnis:

Das Nichts ist kein Mangel. Es ist der einzige Raum, in dem das auftauchen kann, was in dir wirklich substanziell, wahrhaftig und unzerstörbar ist.

Das Vakuum ist nicht tot

Die Theologie nennt es Creatio ex nihilo — Schöpfung aus dem absoluten Nichts. Kein vorgefundenes Material, kein Urchaos, kein Ton in der Hand. Etwas im Kern Neues braucht kein Davor. Jedenfalls nicht in dem Sinn, in dem wir es erwarten.

Die Physik sagt dasselbe mit anderen Worten. Aus der Quantenphysik wissen wir: Das Vakuum ist kein leerer Ort. Es wimmelt. Aus ihm steigen unaufhörlich Teilchen auf, Fluktuationen, Funken des Seins aus dem scheinbar Leeren. Und der Urknall selbst, der Anfang von allem, geschah nicht aus einem prallen Etwas, sondern aus einer Singularität. Aus einem Nichts, das keine Sprache der Welt fassen kann. Alles, was existiert, ist Schöpfung aus dem Nichts.

Sprich das Wort einmal ganz langsam aus: schöpfen. Die Schöpferin schöpft. Aber schöpfen heißt auch: Wasser aus dem tiefen Brunnen holen, aus einer Tiefe, in die niemand hineinsehen kann. Nikolaus von Kues nannte diese Tiefe die docta ignorantia, das wissende Nichtwissen. Für ihn war das die einzige Haltung, aus der wahres Erkennen überhaupt geboren werden kann.

Auch die fernöstliche Philosophie kennt diese Wahrheit. Die Leere (Śūnyatā, Wu) ist dort kein bedrohlicher Mangel, sondern ungeformter Raum voller Möglichkeit. Denk an ein Gefäß: Erst der Hohlraum in der Mitte macht es überhaupt brauchbar. Nicht der Ton. Das Loch.

Das Leere ist nicht das Ende. Es ist der Anfang vor dem ersten Wort.

Schreiben braucht kein Dogma

Horror vacui – die Furcht vor der Leere

Trotzdem behandeln wir Schreibenden das leere Blatt mit Angst.

Jean-Paul Sartre hat in „Das Sein und das Nichts“ (Originaltitel: „L`Être et le Néant“) gezeigt, dass der Mensch selbst eine Art Lücke im Sein ist: Weil wir über unsere Vergangenheit nachdenken und Entwürfe für die Zukunft machen, sind wir nie ganz identisch mit dem jetzigen Moment. Wir tragen eine Kluft in uns, ein Nichts.

Diese Kluft meldet sich, oft qualvoll, als Horror vacui, die Furcht vor der Leere. In der Kunst ist es die Tendenz, jede freie Fläche mit Verzierungen zuzustopfen. In der antiken Physik das Prinzip, dass die Natur kein Vakuum dulde. Und in der Psychologie des schaffenden Menschen ist es das Phänomen des weißen Blattes: die lähmende Angst vor der absoluten Offenheit, bevor der erste Strich gezogen ist. Das Nichts wirkt hier wie ein Schlund, der uns zu verschlingen droht.

Die Freiheit ohne Geländer löst Panik aus. Und so stopfen wir den Freiraum hektisch mit angelerntem Wissen voll, nur damit die Leere aufhört, uns anzuschauen.

Dabei müssen wir den Raum nicht füllen. Wir müssen ihn ERST RECHT leeren!

Überspring den Horror nicht durch Vermeidung, sondern durch eine innere Alchemie in drei Bewegungen

Erstens: die radikale Hingabe. Anstatt die Leere panisch mit fremdem Wissen (oder einer KI) vollzustopfen, halte an der Schwelle an. Ertrage stoisch das Stummsein, im Wissen, dass der Horror vacui nur der Abwehrzauber des kleinen Ego ist, das sich vor dem Kontrollverlust fürchtet.

Zweitens: der Wechsel der Wahrnehmung. Betrachte das leere Blatt nicht mehr als Abgrund, sondern als Raum absoluter Potenzialität, als jenes Nichts, das wimmelt. Solange das Blatt leer ist, existiert darauf bereits jedes denkbare Meisterwerk in seiner unendlich reinen Möglichkeit. Der Horror verwandelt sich in Ehrfurcht.

Drittens: das Beharren auf dem Impuls. Warte nicht auf die perfekte Kausalität oder die Erlaubnis des Verstandes. Nutze das Irrationale, ein Aufblitzen, ein Gefühl, eine Körperempfindung, ein Trotzreagieren deiner Menschlichkeit, als Sprungbrett. Setz den ersten mutigen Strich. Er ist kein mathematisches Produkt, er ist ein Akt reinen Vertrauens. In dem Moment, in dem du das erste Wort in den leeren Raum wirfst, bricht die Singularität auf. Das Ungeformte verdichtet sich. Der Urknall geschieht auf dem Papier.

Der Grashalm, der weiß, das er lebt

Mit Anfang zwanzig hatte ich in meiner ersten großen Berliner Wohnung in Kreuzberg meinen ersten Erleuchtungstraum. Auch er kam direkt aus dem Nichts.

Zu meiner großen Überraschung bemerke ich im Traum, dass ich ein Grashalm bin. Ein Grashalm wie tausend andere auf einer riesigen Wiese. Prall grün, bis in die letzte Zelle angefüllt mit einer unfassbaren, göttlichen, selbstbewussten Power. Und es ist sooo egal, dass ich genauso aussehe wie all die anderen — EGAL! Denn mein BEWUSSTSEIN ist EINZIGARTIG. Keine Zelle zweifelt, keine Zelle wertet, keine Zelle sondert sich ab. Es ist das totale Erfülltsein, das totale Hingegebensein, das totale Angefülltsein mit BEGEISTERUNG. Niemand hat je einen solchen von seiner eigenen Existenz berauschten Grashalm gesehen.

Lange habe ich mich gefragt, was der Traum bedeutet. Geblieben ist dieses totale Begeistertsein, noch jetzt vibriert es in meinen (pflanzlichen) Zellen.

Der Grashalm hat nichts: kein Gewerbe, keinen Vertrag, kein Archiv, keine Positionierung. Er ist einfach. Und gerade in diesem puren Sein ist er unendlich reich. Er summt.

Wenn wir so schreiben könnten, so total, so hingegeben an diesen einen Moment, dann bräuchten wir keinen Plan, kein Ziel, keine Strategie. Wir würden jeden Augenblick ein seliges Abenteuer erschreiben und schreibend erleben.

Hände weg vom Plan deines Buches!

Doch genau das tun wir nicht. Unser Bewusstsein will die Realität festnageln. Es will etablieren, verdinglichen, ein unumstößliches Fundament gießen. Wenn alles andere zusammenbricht, suchen wir nach einem großen, massiven Fels, auf den wir uns stellen können. Warum eigentlich? Warum ist unsere natürliche Tendenz nicht, alles zu verflüssigen? Alles gasförmig zu machen, leicht und sogar leichter als Luft?

— Weil wir Angst haben, uns in zu verlieren, sobald wir das Bild von unserem Buch, oder von uns selbst, loslassen.

Also suchen wir beim Schreiben nach einem Geländer. Nach einem Methodengerüst, der perfekten Plotstruktur, den zwölf Stationen der Heldenreise. Wir klammern uns daran, damit wir nicht den ganzen Weg hinunter auf den Grund rutschen. Das Buch wird zum Mast, an den sich das Ego bindet, aus schierer Angst vorm Verdampfen.

Ich möchte dir ein Bild geben, das mich nicht loslässt. Stell dir vor, du hörst auf, dich in eine Form zu zwängen. Du entspannst dich einfach, und plötzlich wird alles leicht, frei, transparent. Du kannst durch alles hindurchsehen und hinter allem stellst du fest: Da ist NICHTS. Es ist dunkel wie das Universum vor dem großen Knall. Keine Sterne, kein Licht, nichts.

Das NICHTS ist nicht nichts

Aber dieses Nichts ist nicht das Ende. Es ist die Rückseite von allem, was wir sehen. Alles, was existiert, ist nur die glitzernde Vorderseite, die Oberfläche eines unendlichen, schwarzen Raumes. Deine ganze Erfahrung, dein ganzes Buch, existiert nur am Rand einer riesigen, tragenden Leere. All unser Konzeptualisieren und Absichern ist nichts anderes als der verzweifelte Versuch, dieses Hologramm zu stabilisieren, weil wir glauben, die Realität sei fest, und nur so könnten wir existieren und schreiben.

Aber wir brauchen keinen Fels. Wenn du dein Wesen ganz fühlst, brauchst du keinen Boden unter dem Buch.

Was würde geschehen, wenn du dich nicht länger hineinquetschen würdest — und dich stattdessen entspannst? Dein Schreiben würde von einer künstlichen Pflicht zum freien Fluss. Und dein Buch könnte aus einem Urknall herauskommen, so plötzlich und umfassend wie der Stich einer Biene. Wenn das passiert, weißt du gar nicht, was dich gestochen hat. Du fährst hoch und schreibst.

Die Realität deines Buches ist ein Bienenstich VOR dem Konzept eines Bienenstichs.

Das Erlebnis kommt zuerst. Das Konzept hinkt immer hinterher. Und die meiste Zeit tun wir das Verkehrte: Wir warten auf das Konzept, bevor wir uns den Stich erlauben.

Lass dich selbst in Ruhe

Das Wichtigste beim Schreiben aus dem Nichts ist paradox einfach: Lass dich selbst in Ruhe.

Greif nicht in den Prozess ein, kein Druck, keine Manipulation. Immer dann, wenn du merkst, dass du einem Konzept hinterherjagen willst, sag dir: Nein, Hände weg! Lass deine Erfahrung in Ruhe. Lass deine Erwartung in Ruhe.

Wir haben das schon getan, lange bevor wir überhaupt vom Schreiben wussten: Wir haben unsere Erfahrung verurteilt, ihr den Wert abgesprochen, sie frisiert, ausgequetscht, an ihr herumgezerrt und festgehalten. Wir haben ständig versucht, etwas anderes zu fühlen als das, was tatsächlich da war, weil wir fest glauben, alles sollte eigentlich anders sein. Auch alles, was wir schreiben, sollte eigentlich anders sein. Und genau das ist die Falle. Du zwingst dein Bewusstsein in eine Richtung und nennst es Können.

Die natürliche Autorin macht das nicht. Sie rührt keinen Finger, um etwas zu erzwingen. Sie ist einfach ihrer selbst bewusst und in dieser Bewusstheit ist sie präsent für alles, was durch sie ausgedrückt werden will. Sie mischt sich nicht ein. Unerschütterlich. Wir müssen nicht wählen, worüber wir schreiben. Wir müssen nur zulassen, dass unser inneres Wissen sich zeigt. Und ja: Was da aufsteigt, kann auch Eifersucht sein, Hunger, Wut, sogar der Tod. Beim Schreiben geht es darum, sich von dem, was sich zeigen will, nicht abzuspalten.

Deine Blockade, deine Angst vorm weißen Blatt, das sind nur vorüberziehende Wolken. Du bist der weite Himmel, in dem sie auftauchen und wieder vergehen. Nicht die Wolke. Der Himmel.

Nasrudin und die Esel

Es gibt eine alte Geschichte aus dem Mittleren Osten, die punktgenau das Drama des schaffenden Menschen beschreibt.

Diese Geschichte gebe ich angelehnt an Osho wieder: Nasrudin galt als gewiefter Schmuggler. Jeden Tag überquerte er mit einer Reihe schwer beladener Esel die Grenze. Die Zöllner wussten genau, dass er schmuggelte, und waren besessen davon, ihn zu überführen. Jedes Mal durchsuchten sie akribisch seine Packtaschen, tasteten das Stroh ab, schnitten die Säcke auf, durchleuchteten jede Ecke. Und fanden nie Gold, nie Devisen, nie Seide, rein gar nichts von Wert. Entnervt mussten sie ihn jedes Mal ziehen lassen. Nasrudin wurde mit den Jahren immer wohlhabender.

Erst Jahre später, als die Zöllner längst im Ruhestand waren, fragte ihn einer in einer Taverne: „Nasrudin, verrate es mir. Wir wussten alle, dass du schmuggelst. Was war es?“

Nasrudin lächelte milde: „Esel. Ich habe Esel geschmuggelt.“

Sie hatten es die ganze Zeit direkt vor Augen. Sie suchten in den Säcken, im Stroh, in den Details — überall dort, wo man eben sucht. Aber das Gesuchte trug die Last. Das Gesuchte stand mitten auf der Straße und schaute sie an.

Was die Esel des Nasrudin mit dir zu tun haben

Genau so ist es mit deiner Essenz. Du schaust verzweifelt in die gewohnten Richtungen. Du durchwühlst deine Gedanken, zermarterst dir das Hirn nach Plotideen, feilst an Strategien, vergleichst dich mit anderen, konsultierst Algorithmen und KI. Du suchst fieberhaft in den Packtaschen deines Verstandes nach Inhalt, Bedeutung, Erfolg. Und übersiehst das, was direkt vor deiner Nase steht: deine eigene Essenz, die reine Präsenz des Seins. Du suchst in vertrauten Richtungen, weil du konditioniert bist, und das Nicht-Konditionierte findest du nun einmal nicht auf den ausgetretenen Bahnen.

Das größte Hindernis dabei ist dein Selbstbild: die gesammelten Vorstellungen, die du dir von dir selbst gemacht hast. Sie streuen dir Sand in die Augen. Sie durchsuchen das Gepäck, während die Esel längst gähnend an der Grenze stehen.

Der hellste Stern in dunkler Nacht

Wie also findest du die Esel? Nicht, indem du noch angestrengter suchst. Sondern indem du LEER wirst.

Wenn der Geist von seinen üblichen Inhalten entleert ist, wenn du das Wagnis eingehst, das leere Blatt nicht sofort hektisch mit angelerntem Wissen vollzustopfen, dann verwandelt sich die scheinbare Leere. Aus ihr steigt deine Essenz auf, so klar, so bestimmt und so leuchtend wie ein heller Stern in einer klaren, dunklen Nacht.

Spür diesem Bild nach. Am Tag siehst du keine Sterne. Nicht, weil sie nicht da wären: Sie sind IMMER da, mitten am hellen Mittag, millionenfach über dir. Aber das grelle Licht, der Lärm, das Zugestellte überstrahlt sie. Erst wenn es dunkel wird, wenn der Himmel sich leert, tritt der Stern hervor. Nicht schwächer als vorher, nicht neu, sondern endlich SICHTBAR. Präzise. Unbestreitbar. Da.

Dein leergeräumtes Regal ist dieser Nachthimmel. Dein weißes Blatt ist dieser Nachthimmel. Die Leere, vor der dein Ego so eine Angst hat, ist genau der dunkle Grund, auf dem dein Stern endlich zu leuchten beginnt.

Und diese Essenz ist kein flüchtiger Gedanke. Sie besitzt eine eigene, feinstoffliche Substanz, so dicht und kostbar wie massives Gold. Nicht umsonst sagen wir: „Dieser Text hat Substanz.“ Wer aus seiner Essenz heraus schreibt, hat buchstäblich Substanz: Tiefe, Gewicht, die unausweichliche Wahrheit hinter den Worten. Man könnte das eine objektive Dichtung nennen, ein Schreiben, das nicht mehr durch die Lichtbrechung eines kleinen Ego verzerrt wird. Es ist der Moment, in dem Subjekt und Objekt verschmelzen: Du schreibst nicht mehr über die Schöpfung, die Schöpfung schreibt sich durch dich.

Erinnere dich an den Himmel: Nur weil sein Raum frei und leer ist, können Sonnenaufgänge und Sonnenuntergänge überhaupt in ihm stattfinden. Meine tiefste Erkenntnis lautet deshalb: Das wirksamste Buch ist das ohne Autor*in. Wenn du eine Feder bist und deiner Essenz erlaubst, durch dich hindurchzuwirken, wenn du diesem FLUSS nicht im Wege stehst, ihn nicht blockierst, hinterfragst, analysierst, anzweifelst, dann wird das Schreiben zu einer so LUSTVOLLEN Erfahrung, dass du dir gar nicht vorstellen kannst, wie es noch besser sein könnte.

Die Katharsis des Gibberish

Bleibt eine Frage: Wie kommst du dahin? Wie leerst du den Kopf, der vor mentalem Müll, Ängsten und dem Zwang, jetzt sofort etwas Sinnvolles abzuliefern, DRÖHNT?

Hier hilft eine herrlich verrückte Methode. Das Wort Gibberish stammt von einem Sufi-Mystiker namens Jabbar, und dies war seine einzige Meditation. Jedem, der zu ihm kam, sagte er nur: „Setz dich hin und fang an.“ Er hielt keine Reden. Manchmal führte er es vor: Eine halbe Stunde lang redete er wilden Unsinn in einer Sprache, die niemand verstand. Kein richtiges Idiom, nur Gebrabbel. Trotzdem hatte er tausende Schüler. Seine Lehre war ein einziger Satz: „Euer Verstand ist nichts als Gebrabbel. Werft es raus, dann bekommt ihr einen Geschmack von eurem Sein.“

So erfährst du die kathartische Wirkung des Gibberish

Lass den Druck ab. Setz dich zehn Minuten allein in dein Zimmer und sprich laut Unsinn. Benutze eine Sprache, die du NICHT beherrschst: Chinesisch, wenn du kein Chinesisch kannst, Japanisch, wenn du kein Japanisch kannst. Oder erfinde bedeutungslose Laute. Kümmere dich nicht um Logik, Vernunft, Sinn. Mach es den Vögeln nach.

Schütze deine Mitmenschen. Kipp deinen mentalen Müll nicht über anderen aus, sie haben ihren eigenen. Sprich stattdessen mit der Wand. Mit einem Baum. Mit dem fließenden Wasser. Mit den Sternen. Der Fluss hört nicht zu, der Fluss wird nicht verrückt; er nimmt die Energie auf, ohne Schaden zu nehmen.

Nutze das Roh-Tagebuch. Wenn dir das Sprechen nicht liegt, dann schreib. Den allergrößten Unsinn, ungefiltert, unzensiert, auf ein Schmierblatt. Nicht um Schönes zu produzieren, nur um den Erwartungsdruck aus dem System zu nehmen.

So praktizierst du die Brabbel-Methode

Und noch ein kleiner, unterschätzter Bruder des Gibberish: das Kritzeln.

Kennst du das? Das Telefonat ist zu Ende, und dein Notizblock ist von oben bis unten vollgekritzelt, mit seltsamen Wesen, Kringeln, Drachenköpfen, Würmern, vielen Würmern.

Beim Kritzeln treten wir ein wenig neben uns, sind nicht mehr so stark in der Selbstkontrolle. Wir kommen straight rein ins LETTING GO. Und genau da entsteht das Eingangstor für Ideen, die sonst an der harten Realitätskontrolle abgeprallt wären. (Dieser Zustand stellt sich übrigens auch beim Staubsaugen und Wischen ein. Manch ein Buch der Weltliteratur wurde am Küchentisch geschrieben; Charlotte Roche hat einmal erzählt, sie habe große Teile ihres Bestsellers mit noch feuchten Händen am Küchentisch gerade noch aufschreiben können.)

Wenn die künstliche Schicht des Egos durch diese Katharsis durchbrochen ist, hört das krampfhafte Festhalten auf. Dann schreibst du nicht mehr ÜBER die Welt. Die ungeformte Essenz deines Seins drückt sich direkt durch deine Worte aus.

Die beste Antwort auf die KI

Hier schließt sich der Kreis: Maschinen schicken sich an, aus bereits Vorhandenem Neues zu berechnen. Sie kombinieren, was schon da ist. Sie können das Gepäck umsortieren, Muster wiederholen, Persönlichkeitsschnipsel neu verpacken. Aber eines kann die KI niemals: aus dem Nichts schöpfen. Sie braucht immer ein Etwas, ein Davor, einen Datensatz. Aus dem echten, magischen Nichts kann sie gar nichts holen. Es gibt für sie kein Vakuum, das vibriert. Keinen Grashalm, der weiß, dass er lebt. Keinen Stern, der aus der eigenen Dunkelheit aufsteigt. KI summt nicht.

Die Einzige und der Einzige, die oder der aus dem wahren Nichts schöpfen kann, bist DU. Mit deiner Menschlichkeit. Mit deiner Verletzlichkeit. Mit deinen schlaflosen Nächten, deinen Wunden, deinem Nichtwissen und deinem tiefen Urwissen.

Wenn dir eine durchgestylte Welt oder eine künstliche Stimme einreden will, dein Beitrag sei ersetzbar: Beharre! Beharre auf deiner Wunde. Beharre auf deinem Irrationalen. Beharre auf dem, was unsichtbar ist. Und du hast die volle Erlaubnis, die Wut oder den Trotz als Vehikel zu aktivieren. Denn am Ende geht es nicht um dein fertiges Werk. Es geht um den GEIST, der dahintersteht. Um DEINEN Geist. DENN DU SELBST bist das Entscheidende.

⚡⚡⚡)

Der Schreibimpuls: Schreiben aus dem NICHTS

Räum heute einen Ort in dir leer. Nimm ein leeres Blatt, kein Notizbuch mit Plänen, keine Datei mit Gliederung, nur das reine Weiß. Deinen Nachthimmel.

Wenn der Kopf zu laut ist, brabbel ihn erst leer. Zehn Minuten Gibberish an die Wand, an den Baum, ans Schmierblatt. Oder kritzel, bis du neben dir stehst.

Dann setz dich hin. Ohne Thema, ohne Ziel, ohne die Frage, wozu das gut sein soll. Atme, bis die fordernden Stimmen, außen und innen, leiser werden. Bis die grelle Mittagssonne deiner Gedanken untergeht.

Und dann warte. Nicht auf einen durchdachten Gedanken. Warte auf das erste SUMMEN. Auf den ersten STERN. Auf jenen einen Punkt, der aus deiner eigenen Dunkelheit aufsteigt, klar, präzise, unbestreitbar da. Und frag dich ganz ehrlich: Wonach durchwühle ich gerade das Gepäck? Was suche ich in der Ferne, das längst direkt vor meiner Nase steht? Was ist mein Esel?

Schreib ihm nach. Nur ihm. Antizipiere nichts. Schreib nicht, um etwas zu konstruieren, sondern, um dich an das zu ERINNERN, was bereits in dir ist.

Du wirst merken: Aus dem Nichts kommt nicht nichts. Aus dem Nichts kommt der Stern. Aus dem Nichts kommt der Esel. Aus dem Nichts kommt das, was ausschließlich durch DICH in diese Welt will.

Das leere Regal im Büro ist kein Verlust. Es ist eine Wiege. Der weggeräumte Ordner ist kein Ende. Er ist der Raum vor dem nächsten Urknall.

Kennst du einen schreibenden Menschen, der dringend die Katharsis des Gibberish kennen und endlich die Begeisterung fürs Schreiben wiederfinden sollte? Leite diesen MUSELETTER gerne weiter! IT’S FREE!

https://monikastolina.de/museletter/

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Häufig gestellte Fragen zum Schreiben „aus dem Nichts“

Was bedeutet „Schreiben aus dem Nichts“? Es meint einen Schreibprozess, der nicht aus Plänen, Konzepten oder angelerntem Wissen kommt, sondern aus der Leere vor dem ersten Wort. Statt das weiße Blatt hektisch zu füllen, hältst du die Offenheit aus und lässt das, was wirklich durch dich ausgedrückt werden will, von selbst aufsteigen.

Was ist der Horror vacui beim Schreiben? „Horror vacui“ ist lateinisch für „die Furcht vor der Leere“. Beim Schreiben zeigt er sich als lähmende Angst vor dem leeren Blatt, vor der absoluten Offenheit, bevor der erste Strich gezogen ist. Das Nichts wirkt dann wie ein Schlund, der einen zu verschlingen droht. Der Text zeigt, dass diese Angst nur der Abwehrzauber des Egos ist und sich in Ehrfurcht und Schöpferkraft verwandeln lässt.

Wie überwinde ich eine Schreibblockade vor dem leeren Blatt? In drei Bewegungen: erstens, die Leere aushalten, statt sie panisch zu füllen; zweitens, das weiße Blatt als Raum reiner Möglichkeit wahrnehmen statt als Abgrund; drittens, dem ersten irrationalen Impuls folgen und den ersten Satz aus reinem Vertrauen setzen. Hilfreich ist außerdem, den Kopf vorher durch „Gibberish“ oder Kritzeln zu entleeren.

Was ist die Gibberish-Methode? Gibberish ist bewusstes Gebrabbel: Du sprichst einige Minuten lang laut Unsinn in einer Sprache, die du nicht beherrschst, oder erfindest bedeutungslose Laute. Die Methode geht auf den Sufi-Mystiker Jabbar zurück und wurde von Osho verbreitet. Sie entlädt den mentalen Müll, sodass danach eine klare Stille entsteht, aus der heraus sich freier und wahrhaftiger schreiben lässt.

Was hat das „Nichts“ mit Kreativität und Essenz zu tun? Das Nichts ist kein Mangel, sondern der Raum, in dem deine Essenz sichtbar wird, so klar wie ein heller Stern in dunkler Nacht, der tagsüber nur vom Lärm überstrahlt wird. Erst wenn der Geist von seinen üblichen Inhalten leer ist, tritt diese unkonditionierte Präsenz hervor und wird zur Quelle wahrhaftigen Schreibens.

Kann KI kreativ aus dem Nichts schreiben? Nein. KI kombiniert Vorhandenes neu und braucht immer einen Datensatz, ein „Davor“. Aus dem echten, magischen Nichts kann sie nichts holen: Ihr fehlt die eigene Essenz, das gelebte „Ich bin“. Genau darin liegt die unersetzbare Kraft des schreibenden Menschen: in Verletzlichkeit, Wundenbewusstsein, Nichtwissen und tiefem Urwissen.

Was bedeutet die Geschichte von Nasrudin und den Eseln? Der Schmuggler Nasrudin wird täglich durchsucht, doch die Zöllner finden nie sein Schmuggelgut, weil er die Esel selbst schmuggelt, die direkt vor ihren Augen stehen. Übertragen aufs Schreiben: Wir suchen unsere schöpferische Kraft in Techniken, Strategien und KI und übersehen die eigene Essenz, die längst da ist.

Muss ich mein Buch vorher planen? Nein. Der Artikel plädiert bewusst gegen starre Baupläne wie die zwölf Stationen der Heldenreise. Solche „Geländer“ geben Sicherheit, verhindern aber den freien Fluss. Wahre Autor*innenschaft entsteht, wenn du dich nicht in den Prozess einmischst und dem Impuls Raum gibst, „ein Bienenstich vor dem Konzept eines Bienenstichs“.

Let‘s BLITZ together!

⚡

Deine Monika Stolina

Anregungen und Quellen zu diesem Text: A. H. Almaas, „ESSENZ. Der diamantene Weg der inneren Verwirklichung“ (Arbor Verlag 2006); Osho, „Zurück zur inneren Quelle. Gelassen und glücklich durch Meditation und Selbsterforschung“ (Irisiana Verlag 2022); Jean-Paul Sartre, „Das Sein und das Nichts“; Nikolaus von Kues, „De docta ignorantia“; sowie die traditionelle Nasrudin-Überlieferung.

Book&Life Coach

Monika Stolina ist Schreiblehrerin, Autorin, Gründerin der Golden Republic of Writers (GROW!) und des HighVoltageWriting-Programms. (Und jetzt auch des QCW – des Quantum Collapse Writing ;-)) Sie begleitet Schreibende dabei, ihr eigenes Buch aus der Begeisterung ihrer Urkraft und förmlich aus dem Nichts heraus heraus zu schreiben, authentisch, unverwechselbar und mit der jedem Menschen innewohnenden Intelligenz.

Buchmentoring mit 108 Leitsternen

Begründerin des HighVoltageWriting, Botin des Kairós, Scout und Muse für dein Buch

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